Informationsarchitektur Fachartikel

Grundlagenwissen, IA-Komponenten & IA-Projekte durchführen

Autor: Simon Streich

Teil 1: IA-Grundlagen

1. Vorwort

Grundlage für diesen Artikel bilden die eigene Erfahrung in der Praxis sowie die beiden Bücher „Information Architecture for the Web and beyond“ von Louis Rosenfeld, Peter Morville & Jorge Arango und „Integrierte Informationsarchitektur“ von Henrik Arndt.

2. Mentale Modelle & Metaphern

Metaphern stehen im Mittelpunkt nahezu aller User Interfaces interaktiver Anwendungen. Bei Metaphern (meta (dt. über) pherein (dt. tragen) handelt es sich wörtlich um eine Übertragung.

Nahezu unser gesamtes Verständnis zur Bedienung von Anwendungen beruht auf der Existenz von Metaphern (Vgl. Computer-Betriebssysteme: Ordner, Fenster, Papierkorb, Schreibtisch, etc.)

Louis Rosenfeld und Peter Morville1 haben für die Konzeption von Websites weitere Überlegungen zur Metapher angeführt:

Organisations-Metaphern beschreiben die Übertragung eines bekannten Systems auf ein anderes, unbekanntes (Bsp.: Die Website eines Autohändlers kann in der gleichen Form organisiert sein, wie ein tatsächlicher Verkaufsraum)

Funktionale Metaphern sind einzelne abgeschlossene Aufgaben (Bsp.: Stöbern zwischen den Regalen in einer Bibliothek oder das Stellen einer Frage an einen Bibliothekar)

Visuelle Metaphern sind grafische Elemente wie zum Beispiel Bilder, Icons, Farben (Bsp.: Gelbe Seiten2)

Die Struktur von Websites, v.a. Online-Shops, wird häufig mittels Organisations-Metaphern erklärt bzw. beschrieben. So sind bspw. die Kategorien (häufig in der Haupt-Navigation abgebildet), vergleichbar mit den „Abteilungen“ im Einzelhandel (Bsp.: „Maschinen“ im Baumarkt, „Konserven“ im Supermarkt)

Befindet man sich in der richtigen Kategorie, wird anschließend nach einem konkreten Produkt gesucht. Das jeweilige Produkt-Listing in Online-Shops ist also vergleichbar mit den Regalen eines Baumarkts.

Explore a bustling warehouse filled with stacked goods and shopping carts, illuminated under bright lighting.
Quelle: pexels.com

3. Strukturierung von Informationen / Klassifikation

Schon immer strukturieren Menschen ihre Informationen über die Welt. Aristoteles entwickelte 350 v. Chr. eine universale Strukturierung, die auf 10 Hauptkategorien basiert:

  1. Substanz
  2. Qualität
  3. Quantität 
  4. Relation
  5. Ort
  6. Zeit
  7. Tun
  8. Lage
  9. Haben
  10. Leiden 

Bis heute finden diese Kategorien in wissenschaftlichen Unterteilungen Verwendung.

Ein weiterer Meilenstein war der industrielle Buchdruck in Europa Mitte des 15. Jahrhunderts. Dadurch wurden Informationen nahezu der gesamten Bevölkerung zugänglich gemacht. Eine verständliche und nachvollziehbare Strukturierung dieser Informationen war deshalb von dort an umso wichtiger. Im Bibliothekswesen setzte sich die Bezeichnung „Klassifizierung“ durch, also die Einteilung des Wissens in ein System von sogenannten Klassen.

4. Hierarchien

Fast alle Klassifikationen sind hierarchisch Strukturiert. Hierarchie bedeutet:

Interior of modern supermarket with various shelves with assorted colorful products under bright lamps
Quelle: pexels.com
  • Informationssektionen sind in verschiedenen Ebenen einander über- oder untergeordnet und jeweils von Ebene zu Ebene miteinander verknüpft 
  • Die Übergeordnete bildet immer die Kategorie für alle ihr untergeordneten Sektionen 
  • Jeder Sektion sind nur die Eigenschaften zugewiesen, die sie von der ihr übergeordneten Kategorie unterscheidet 
Quelle: Simon Streich

Wenn ein Mensch einmal das grundsätzliche Prinzip hierarchischer Strukturen versteht, kann er problemlos jedes auf diese Art strukturierte System nutzen. Genau das macht Hierarchien so mächtig und wertvoll für uns.

Probleme von Hierarchien:
Durch die Verwendung von Hierarchien in Websites entstehen diverse Probleme. Die Strukturen von größeren Websites werden sehr schnell enorm umfangreich, was nicht nur zuletzt die Visualisierung dieser Struktur erheblich erschwert.

Bei komplexen Strukturen ist außerdem ein Problem, dass der/die Nutzer*in eine Auswahl treffen muss bis er*sie an die gewünschte Information gelangt. In der Konzeption von Websites kämpft man deshalb häufig mit „empty pages“, also Seiten, die selbst keinen wirklichen Inhalt haben, sondern deren einzige Aufgabe es ist, die Nutzer*innen zur gewünschten Information zu bringen.

Auch die Zuordnung bzw. Klassifizierung in Mono-Hierarchien stellt ein Problem dar, da nicht jedem*r Nutzer*in klar ist welcher Weg zur gewünschten Information führt (sind gehackte Mandeln bei Müsli, Nüssen oder bei Back-Zutaten?) 
Websites bestehen oft aus polyhierarchischen Strukturen, weshalb dieses Problem hier in der Regel nicht existiert, jedoch weitere Probleme dadurch entstehen können (Stichwort Duplicate Content).

Teil 2: Was macht ein Informationsarchitekt?

Um die Aufgabenbereiche eines Informationsarchitekten bestmöglich zu beschreiben, bediene ich mich am älteren, stärker verbreiteten und eng verwandten Berufsbilds des Architekten.

Architekten kümmern sich um die technische, funktionale, gestalterische und wirtschaftliche Planung.
Das Berufsbild des Architekten ist an der Schnittstelle zwischen Auftraggeber, den Planungsbeteiligten, Behörden und Ausführenden angesiedelt. Als zentrales „Organ“ übernimmt der Architekt die Projektsteuerung, vertritt den Bauherren gegenüber allen Beteiligten und koordiniert diese3.

Wo ein Architekt an der Konzeption und Errichtung von Gebäuden und Bauwerken beteiligt ist, beschäftigt sich ein Informationsarchitekt mit der Planung und Erstellung interaktiver Anwendungen (z.B. Web-Anwendungen (Websites, Apps, etc.), lokale Software-Anwendungen oder die Mischung der beiden (Cloud-Anwendungen (SaaS)).

Quelle: Simon Streich

Übrigens: In diesem Teil „Was macht ein Informationsarchitekt“ bedienen wir uns bspw. einer Organisations-Metapher.

Teil 3: IA-Komponenten

Rosenfeld und Morville teilen die Informationsarchitektur in 4 Komponenten auf – Organisations-, Labeling-, Navigations- und Such-Systeme. Am Schluss dieses Artikels befindet sich eine Übersicht aller Komponenten.

1. Organisations-Systeme

Wir organisieren unsere Welt so, dass sie uns Antworten auf unsere Fragen liefert. Unser Klassifizierungs-System bildet dabei das ab, was im Volksmund als „Schubladen denken“ bezeichnet wird. Entgegen der negativen Bedeutung des Schubladendenkens, ist es in unserem Kontext eine hilfreiche und sogar nahezu unumgängliche Eigenschaft menschlichen Denkens. Klassifizierungs-Systeme helfen uns grundsätzlich Dinge einzuordnen, damit wir sie überhaupt erst begreifen und verstehen können.

Digitale Medien ermöglichen einen enorm flexiblen Umgang mit diesen Organisations-Systemen. In den letzten Jahrzehnten, mit steigender Verbreitung des Internets, tritt das organisieren großer Mengen von Informationen stark in den Vordergrund. Wir alle müssen gewisse Fähigkeiten erwerben, um in der heutigen Zeit an genau diejenige Information zu gelangen, die wir suchen (Stichwort „Googlen“, „Surfen“)

Klassifizierungs-Systeme bestehen aus Sprache – und Sprache ist mehrdeutig. In diesem Zusammenhang treten bereits die ersten Hürden auf – auf einer „Bank“ kann ich entweder sitzen oder Geld abheben.

Die Perspektive, mit der Menschen auf Organisations-Systeme blicken, ist eine weitere Hürde. Dinge die uns völlig klar erscheinen, können für unsere Nutzer*innen völlig unklar sein. Häufige Fehler in der Praxis sind haltlose Annahmen wie Nutzer*innen sich auf der eigenen Website verhalten würden. Es muss also immer zwischen eigenen Kriterien wie dem gesunden Menschenverstand und fremden Kriterien wie z.B. Nutzerumfragen ausbalanciert werden.

1.1. Organisations-Schemata

Organisations-Schemata begleiten uns tagtäglich durch unser Leben. Die Kontakt-Liste auf unserem Handy, Supermärkte im Allgemeinen oder die Notizen im Notizblock – alles das sind Beispiele für gewisse Organisations-Schemata. Es wird grundsätzlich zwischen folgenden Schemata unterschieden:

  • Exakte Organisations-Schemata
    • Alphabetisch (z.B. Kontakte-App auf dem Handy)
    • Chronologisch (z.B. Notizen)
    • Geographisch (z.B. Geolocations in GoogleMaps) 
  • Mehrdeutige Organisations-Schemata
    • Thema (z.B. Supermarkt-Regale)
    • Aufgabenorientiert (z.B. Playlists auf Spotify)
    • Zielgruppen-spezifisch (z.B. B2B-Bereich einer B2C-Orientierten Website )
    • Metaphorisch (z.B. Ordner, Papierkorb und Schreibtisch bei Microsoft Windows)
  • Hybride Organisations-Schemata
    • Hierbei handelt es sich um die Kombination zweier oder mehr unterschiedlicher Schemata 
Quelle: Simon Streich
Quelle: Simon Streich

1.2. Organisations-Struktur

Die Struktur von Informationen gibt uns den primären weg vor wie wir durch die Informationen navigieren. Die Organisations-Strukturen um die sich ein*e Informationsarchitekt*in kümmert sind:

Hierarchie:

Hierarchien wurden in Teil 1 schon angesprochen. Wir Menschen denken sehr häufig in Hierarchien weshalb uns das Verständnis dieser Struktur sehr leicht fällt.

Wichtig beim gestalten einer Hierarchie ist, auf die Exklusivität der Kategorien zu achten, das heißt dass ein und dasselbe „Item“ in so wenig Kategorien wie möglich gleichzeitig vorkommt. Das mehrfache Vorkommen von Items in unterschiedlichen Kategorien nennt sich Polyhierarchie. Jede zusätzliche Zuordnung eines Items in eine Kategorie schwächt die Hierarchie (Wenn im Supermarkt bspw. Milch im Kühlregal, beim Kaffee, Tee, etc. und an der Kasse als Angebot liegt, schwächt dies die Hierarchie und erschwert das Verständnis der Struktur)

Des weiteren ist wichtig auf die Balance zwischen Breite und Tiefe der Hierarchie zu achten. Die Breite stellt die Anzahl der Kategorien pro Ebene dar, die Tiefe die Anzahl der Ebenen. Wem „Balance“ als Begriff zu unkonkret ist, dem sei die Millersche Zahl ans Herz gelegt. Sie besagt, dass das Kurzzeitgedächtnis des Menschen gleichzeitig nur 7 +- 2 Informationseinheiten präsent halten kann.

Datenbank-orientiert:

Auf Datenbank-orientierte Strukturen möchte ich in diesem Artikel nicht weiter eingehen, da sie für die typische Arbeit mit Websites nicht in Frage kommt.

Hypertext:

Hypertext besteht im Grunde genommen aus zwei Bausteinen: Die Items bzw. Seiten (im Fall von Websites) und die Links, die zwischen diesen Seiten verlinken. Hierarchien in Websites helfen uns also im Hypertext-Chaos namens Internet nicht verloren zu gehen.

1.3. Soziale Klassifikation

In der Regel wird hierunter Verstanden, dass Inhalte von Usern klassifiziert werden. Ein bekanntes Beispiel für soziale Klassifikation ist das Tagging auf Twitter. Sogenanntes „User-generated content tagging“ kommt auch bei Websites vor, allerdings stellt das unkontrollierte Erstellen von Tags häufig auch Probleme für Website-Betreiber dar. Man stelle sich nur vor, dass „Coca-Cola“, „CocaCola“, „Cola“, und „Coke“ jeweils eigene Tags sein könnten.

2. Labeling-Systeme

Labeling bzw. Beschriftung bezeichnet die Repräsentation einer gewissen Menge von Informationen. Eine Art Zusammenfassung eines „Blocks“ von Informationen. Im WWW kennt man Labels von Anker-Texten bei Links, das heißt der Text auf den User klicken wenn sie zur Information „hinter“ eines Links gelangen möchten. Dieser Anker-Text gibt dem User einen Eindruck davon was hinter dem Link zu erwarten ist. Je präziser die Beschreibung, desto klarer die Vorstellung beim User.

Um das Labeln von Links innerhalb der Artikel einer Website kümmern sich in der Regel Redakteure*innen. Die Labels einer Navigation werden häufig von verschiedenen Stakeholdern gemeinsam festgelegt.

Es gibt nicht diese eine Anleitung für ein gelungenes Labeling-System, es ist jedoch so, dass erfolgreiche Labeling-Systeme mindestens eine Eigenschaft gemeinsam haben: Konsistenz.

Wenn Sie konsistente Labels verwenden hilft das sowohl Nutzer*innen als auch Suchmaschinen zu Verstehen welche Information sich hinter dem Label befindet.

3. Navigations-Systeme

Wie der Name bereits vermuten lässt, „leiten“ uns Navigations-Systeme zu der entsprechenden Information. Vor allem für Websites kann ein gut strukturiertes Navigations-System erfolgsentscheidend sein.

„Structure and organization is about building rooms. Navigation design is about adding doors and windows“4

Aufgrund der sich rasant verändernden Bedingungen für User Interfaces – man denke nur an die unterschiedlichen Größen von Displays von Notebooks und Smartphones – verändern sich auch die Anforderungen für Navigations-Systeme.

Beim Entwurf von Navigations-Systemen befinden wir uns bereits in fachübergreifenden Disziplinen aus Informationsarchitektur, Interaktionsdesign, Informationsdesign, Visual Design und Usability Engineering.

Es gibt grundsätzlich drei Formen bzw. Basis-Elemente von Navigations-Systemen: Globale, Lokale und Kontext-Abhängige Navigations-Systeme. Alle drei sollen ihren Nutzer*innen dabei helfen A) zu verstehen wo sie sich aktuell befinden und B) wohin sie von dort aus gelangen können.


Globale Navigations-Systeme sind dadurch definiert, dass sie auf jeder Seite einer Website aufzufinden sind. Sie ermöglichen den Zugang zu den wichtigsten Bereichen und Funktionen einer Website, unabhängig davon wo in der Hierarchie sich der User befindet. 

Globale Navigation „Der Spiegel“ Desktop
Globale Navigation „Der Spiegel“ Mobile

Lokale Navigations-Systeme sind abhängig von der Seite auf der sich der User befindet. Dabei wird versucht dem User die möglichen Wege innerhalb eines bestimmten Bereichs aufzuzeigen. Im SEO wird diese Technik als Siloing bezeichnet. Die alt bekannte rechte Randspalte hat in der Vergangenheit häufig als eine solche lokale Navigation gedient. Sie hat es in die heutige, mobile, Welt nicht geschafft. In der Praxis werden Lokale Navigations-Systeme häufig ergänzend und in Kombination mit der globalen Navigation verwendet.

Lokale Navigation „Der Spiegel“ Desktop
Lokale Navigation „Der Spiegel“ Mobile

Kontext-Abhängige Navigations-Systeme sind in der Regel Bereiche die wir bspw. bei Online-Shops als „Nutzer kauften auch“ oder „ähnliche Artikel“ kennen. Auch die redaktionellen Links innerhalb eines Textes zählen hierzu

Kontext-Abhängiges Navigations-System „Kunden kauften auch“ von Amazon
Kontext-Abhängiges Navigations-System „Verwandte Produkte“ von Thomann

Des weiteren gibt es sog. ergänzende Navigations-Systeme (supplemental navigation systems) wie z.B. Sitemaps, Indizes oder Guides (Tutorials, etc.). Sie ermöglichen, neben den drei Basis-Elementen, weitere Wege um an eine gewünschte Information zu gelangen.

Sitemap Chip Online Desktop
Sitemap Chip Online Mobile

4. Such-Systeme

Such-Systeme bieten ebenfalls die Möglichkeit an eine gewünschte Information zu gelangen. Sie gehören in der Regel zur globalen Navigation und werden mit einem Lupen-Symbol dargestellt. In der Praxis wird die interne Suche leider häufig stark vernachlässigt, obwohl sie häufig für Nutzer*innen eine enorme Relevanz darstellt und schnell für Frustration sorgen kann. Ein Grund für Ihre Vernachlässigung könnte die enorme Komplexität sein, die mit einem gut funktionierenden Such-System, einhergeht.

Da man in der Kürze dieses Artikels dem Thema nicht gerecht werden kann, soll an dieser Stelle nur eine kurze Empfehlung aussprechen sein: Überlegen Sie sich zwei Mal ob sie eine eigene, interne Suche benötigen. Aber wenn Sie sich dafür entscheiden, dann unterschätzen Sie die Komplexität einer guten Suche nicht. Richten Sie sich darauf ein, dass dieses Thema viele Ressourcen beanspruchen wird.

Such-System Thomann Desktop
Such-System Thomann Mobil

Teil 4: IA-Projekte durchführen

Die Durchführung von Informationsarchitektur-Projekten betrifft nahezu jede Abteilung und jedes Team inerhalb einer Organisation. Nicht zuletzt deshalb ist das Projektmanagement bzw. das Stakeholder-Management ein wesentlicher Faktor für den Erfolg eines solchen Projekts.

Dazu gehört auch eine Unternehmenskultur, die Veränderungen zulässt. Sie können, aufgrund der Größe und Tragweite solcher Projekte, ein IA-Projekt nicht einfach Top-Down „durchdrücken“.

1. Vorbereitung

In den meisten Fällen beginnt ein IA-Projekt nicht auf der grünen Wiese. Stattdessen muss ein bestehendes Konzept/System überarbeitet werden. Ich möchte deshalb in diesem Artikel den Ablauf eines IA-Projekts skizzieren, welches im laufenden Betrieb einer Unternehmung stattfindet. Ich gehe ebenfalls davon aus, dass gewisse Voraussetzungen für den Ablauf von IA-Projekten bereits vorhanden sind, da sie, unabhängig von der Informations-Architektur, im normalen Betrieb von Unternehmen notwendig sind.

Ein Verständnis für folgende Themen sind meines Erachtens nach notwendig:

  • Markt- und Wettbewerbsbedingungen
  • Customer- und User-Journeys, 
  • (Buyer-)Personas, 
  • Unternehmensziele und strategische Ausrichtung
  • Prozessabläufe
  • Eigenschaften zur Unternehmenskultur- und -politik
  • Historisches Wissen
  • Verantwortlichkeiten bzw. Rollenprofile  

Um während des Projekts den Überblick zu behalten, bieten sich sogenannte Sitemaps als visuelles Instrument an. Diese können bspw. mittels eines Crawls der Website hergeleitet werden. Eine solche Übersicht könnte wie folgt aussehen:

2. Durchführung

Eine IST- bzw. Zustands-Analyse ist der erste Schritt für die Vorbereitung in einem solchen Projekt. Diese Analyse kann in die folgenden drei Bereiche aufgeteilt werden:

1. Verständnis für Merkmale der Items entwickeln

Hier schaut man sich die einzelnen Items bzw. Seiten im Detail an und prüft welche Merkmale für das jeweilige Item entscheidend sind. Bei einer Nachrichten-Seite kann das bspw. der Autor, das Veröffentlichungs-Datum, das Thema/Resort, das Format, etc. sein. Im E-Commerce hingegen sind andere Merkmale entscheidend. Hier stellt das Item bspw. ein Produkt dar und die entscheidenden Merkmale sind dann Produkt-Kategorie, Preis, Produkt-Eigenschaft wie z.B. Farbe, Größe , Anzahl, Maße, etc.

2. Organisations-Struktur herausarbeiten

Im zweiten Schritt man sich die Struktur an mit der die Items in den Gesamt-Kontext eingebettet sind. In den meisten Fällen handelt es sich hier um eine hierarchische Struktur. Ein Online-Shop ist bspw. so aufgebaut, dass eine Startseite auf diverse Kategorien verweist, welche dann entsprechende Produkte listen, die sich innerhalb dieser Kategorien befinden.

3. Organisations-Schemata herausarbeiten

Im letzten Schritt schaut man sich das Schemata an mit dem das System bzw. einzelne Bereiche aufgebaut sind. Nachrichten-Seiten verwenden für ihre Resorts/Kategorien bspw. ein chronologisches Schemata, da die neusten Artikel zu Beginn gelistet werden.

Ein weiteres, besonderes, Beispiel, liefert Amazon. Auf den Kategorie-Seiten werden die Produkte (bzw. Items) nach „Amazon präsentiert“ sortiert, d.h. Amazon hat hier ein eigenes Schemata kreiert, welches sich wahrscheinlich an verschiedenen Merkmalen wie z.B. Bewertung, Marge, Marke, Verkaufte Artikel, etc. orientiert.

Organisations-Schemata Amazon Desktop
Organisations-Schemata Amazon Mobil

Im Anschluss an die IST-Analyse erfolgt die SOLL-Analyse. Hier werden die selben Schritte durchgeführt. Dabei müssen u.a. folgende Fragen beantwortet werden:

  1. Sind alle Merkmale vorhanden und ausreichend beschrieben? Gibt es passendere Merkmale als die aktuellen? Fehlen gewisse Merkmale? 
  2. Ist die Organisations-Struktur sinnvoll gewählt? Gibt es eine passendere Struktur? 
  3. Ist das Organisations-Schemata sinnvoll gewählt? Gibt es Seiten-Bereiche, die unterschiedliche Schemata benötigen? Was sind die neuen technischen Voraussetzungen für eine Änderung eines Schematas? 

Beispiele:

  • Ein chronologisches Schemata für Resorts bei Nachrichten-Seiten mag zwar insgesamt sinnvoll sein, jedoch wäre es für Nutzer*innen möglicherweise auch interessant, die meist-gelesenen oder die laut Chefredakteur*in wichtigsten Artikel zusätzlich empfohlen zu bekommen. In vielen Fällen erhöht man mit einem solchen hybriden Modell die Wahrscheinlichkeit das Bedürfnis der Nutzer*in zu treffen. 
  • In einer fiktiven E-Commerce-Kategorie „Haus & Garten“ werden tausende Produkte gelistet. Für jemanden, der einen Gartenschlauch sucht, sind alle Produkte, die zu „Haus“ gehören uninteressant, was die Suche nach dem passenden Produkt erschwert. Je nachdem ob das gesamte System eine feinere Granularität zulässt (Stichwort „breite“ und „tiefe“ der hierarchischen Struktur“) wäre hier möglicherweise eine Aufsplittung in separate Kategorien „Haus“ und „Garten“ sinnvoll.

Ein wesentlicher Teil der Informations-Architektur für eine Website ist die URL. Sie gibt an, wie die Koordinaten einer Landkarte, an welchem Ort sich eine gewünschte Information befindet. Nicht zuletzt aufgrund technischer Rahmenbedingungen sollte hierauf ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Je nach Content-Management-System können die technischen Möglichkeiten hier stark limitiert sein.

Beispiel: Ein Produkt wird zwei unterschiedlichen Kategorien zugeordnet und ist aufgrund dessen auch hinter zwei unterschiedlichen URLs auffindbar. Hier haben hier die selbe Problematik wie wenn ein Produkt in zwei unterschiedlichen Regalen im Supermarkt liegt. Ein*e Mitarbeiter*in wird aufgrund dieser Uneindeutigkeit möglicherweise Schwierigkeiten haben dem Kunden zu erklären wo das Produkt zu finden ist, wenn Vorräte vom Lager aufgefüllt werden, muss dies immer an zwei Stellen passieren, etc.

Foto von Vlad Frolov auf Unsplash

Achten Sie deshalb auf eine URL-Struktur, die zu ihren Anforderungen passt und Ihre Systeme sauber damit umgehen können.

Teil 5: Schlusswort

Sowohl das WWW als auch die Indizes von Suchmaschinen wachsen stetig. Ständig neue Möglichkeiten und Web-Technologien machen das WWW zu einem lebendigen Organismus. Die dort vorhandenen Informationen gut erreich- und auffindbar zu machen wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen und Informations-Architekten können uns dabei helfen.

  1. https://www.oreilly.com/library/view/information-architecture-for/0596527349/ ↩︎
  2. https://www.springer.com/de/book/9783540240747 ↩︎
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Architekt ↩︎
  4. Information Architecture for the Web and beyond (4th Edition) S. 176 ↩︎